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Henning Menke

Ebenso wie JC Dwyer und Dirk Czuya, ist auch Henning Menke einer dieser absolut abgerundeten Vollblutmusiker. Auch Henning Menke spielt alles und kann alles. Allerdings kam er erst ein wenig später zur Musik. Während Dwyer und Czuya schon im Kindesalter lernten, ihre Instrumente zu spielen, kam Henning als Kind der ersten Generation Punkrocker im Teenageralter zu seinem Bass.

Die ersten 6 Jahre meines Lebens habe ich in einem kleinen Dorf verbracht. Wir wohnten neben dem Bauernhof meines Großvaters mütterlicherseits. Ich bin sozusagen ein echtes Landei. Mein Vater war Elektromeister und meine Mutter arbeitete bei ihrer Schwester in einem Blumengeschäft. Ich habe noch eine ältere Schwester. Nach  meiner Einschulung sind wir dann in die Kreisstadt Fallingbostel gezogen, wo ich bis 1985 lebte und wohnte. Wie es auf dem Land so war, habe ich die meiste Zeit draußen gespielt. Wald, Teiche, Wiesen und Felder waren reichlich vorhanden. Nachdem ich lesen konnte, fing ich an, Comics zu lesen: Asterix, Fix und Foxi, Micky Maus. Später dann Zack, Superman,  Marvel, U-Comics und so Zeug. Als Teenager war ich ziemlicher Science Fiction und Horror Fan. Mein Humor wurde vor allen Dingen durch MAD geprägt, („Würg“).

Durch die Bravo, die meine Schwester las, hörte ich erstmals von Bands wie ,The Sweet, Slade, T. Rex, Gary Glitter etc. Meine ersten musikalischen Erfahrungen waren die Singles meines Vaters, darunter Elvis, Bill Haley und anderer alter R´n`R Kram. Ich bekam einen kleinen Plattenspieler geschenkt und dudelte die Scheiben rauf und runter, gerne auch mal auf 78, weil es schneller lustiger klang. Meine erste selbstgekaufte Single war „Block Buster“ von The Sweet. Später erweiterte sich mein musikalischer Geschmack um Queen und Kiss, die ich damals besonders cool fand.
Spaß und Interesse an Musik kam durch Fernsehen und Radio. Damals halt Musikladen oder Beat Club im Fernsehen und die Top Twenty auf BFBS (Britischer Armysender). Später entdeckte ich John Peel auf BFBS, wo ich fast alle Punk Rock und andere härtere oder seltsame unkommerzielle Musik zum ersten Mal hörte.

Mit Punk ging es danach weiter und Anfang der 80er dachte ich mir, daß ich das ja eigentlich auch könnte. Inspiriert von Dee Dee Ramone und Jean Jaques Burnel von den Stranglers, dessen Basssound ich einfach total cool fand, entschied ich mich für den Bass als Instrument. Zusammen mit Kumpels, die auch so etwas wie Punk machen wollten, gründeten wir die ersten Bands und fingen an, zu proben.

Soweit so gut. Wichtig zu wissen, dass Henning Menke um 1985, wie viele Punker damals, nach Berlin zog, um dort die lokale Punkszene zu bereichern. Nicht lange und Menke war der Bassist einer der angesagtesten Genre-Bands der damaligen Zeit, „Jingo de Lunch“.

Bevor ich 1985 nach Berlin zog, waren wir über Punk Rock und Hardcore bei einer Art frühem Thrash Metal gelandet. Ich war an der Uni und lernte Anfang 1987 meine späteren Jingo Kollegen kennen. Nach erstem Beschnuppern, so im Mai 87, fingen wir schnell an, Stücke zu schreiben, Demos zu machen, die ersten Gigs zu spielen. So kam ich also irgendwann im Sommer zu meinem Debüt als Livemusiker im legendären Berliner Rauchhaus. Danach ging alles recht schnell. Wir nahmen noch im gleichen Jahr – im Herbst 87 – unser erstes Album „Perpetuum Mobile“ auf, das dann im nächsten Jahr erscheinen sollte. Durch einen Unfall, bei dem ich mir die Schulter brach, wurde ich allerdings für einige Monate unfreiwillig vom Bassspielen „befreit“. Nachdem ich das auskuriert hatte, ging es weiter mit dem Live-spielen, dem Songwriting und den Aufnahmen. Die Konzerte wurden grösser und Anfang der 90er bekamen wir einen Majordeal, so dass ich mich entschloss, mein Studium an den Nagel zu hängen. In den nächsten Jahren tourten wir durch Deutschland und halb Europa.1988 spielten wir in Moskau und kurz vor Mauerfall im Sommer 89 gaben wir noch ein Gastspiel in Ost-Berlin. Nachdem wir uns 1996 nach persönlichen Querelen schließlich auflösten, konnte ich auf Supporttouren und Shows  mit den Hosen, Ramones, Bad Religion, Bad Brains, Motörhead und vielen anderen zurückblicken. Direkt nach unserem Split fing ich an mit Berliner Bands, wie Church of Confidence, Handfullaflowers oder Die Skeptiker zu spielen und zu recorden. Anfang der 2000er spielte ich mit Thomas Götz von den Beatsteaks und Olli Wong von Gods of Blitz bei OJO ROJO. 2003 kam unser – leider – einziges Album “Tunes from the Wayout“ heraus.
Bevor es mit DER W losging, war ich in einer AC/DC Coverband (Riff Raff) und der Bassist bei Skew Siskin.

Wer Jingo de Lunch kennt und wohlmöglich damals einige Live Shows gesehen hat, der weiß, wie es bei diesen Konzerten abging. Den Spaß, den die Musiker damals mit Jingo hatten, lässt sich heute nur noch erahnen.

Wir haben damals in GAS, Niederlande, Spanien, Italien, Belgien, Dänemark, Schweden, Norwegen, Frankreich und auch mal in Moskau und Jugoslawien gespielt. Das war die erste Phase 1987 bis 1996. Dann kam 2006 die Reunion, bis zum unrühmlichen Ende in diesem Jahr. Wir haben fünf Alben und ein Minialbum in der ersten Phase rausgebracht. Im zweiten Teil unserer Karriere haben wir ein Studioalbum und eine Liveplatte rausgebracht. Wir haben uns 2012 dann zum zweiten Mal aufgelöst. Die anderen sind auch heute noch alle mehr oder weniger aktiv. Tom Schwoll z.B. bei Kumpelbasis. Steve Hahn bei Koller. Gary Schmalzl spielt interessanterweise übrigens bei Bela B y Los Helmstedt.

Und natürlich fragt man sich, wie der Bassist einer der angesagtesten Berliner Punkbands ausgerechnet bei Stephan Weidner´s Nachfolgeband landet, denn nirgendwo wurden die Onkelz kontroverser diskutiert als in Berlin.

Stephan kannte bereits Jim Voxx und Nina C. Alice, mit der er ja das Duett „Bitte töte mich“ auf „Schneller, Höher, Weidner“ bestreitet. So kam es, dass er sich eine Show von uns in Barcelona anschaute. Nach dem Gig kam ich dann bei reichlich Kaltgetränk im Hotel mit ihm ins Gespräch und wir merkten beide, dass wir eine sehr ähnliche musikalische Vorgeschichte haben. Einige Monate später meldete sich Stephan bei mir und fragte, ob ich Bock hätte, in seiner Liveband einzusteigen. Offensichtlich hatte unsere Begegnung ihn insofern beeindruckt, dass er an mich dachte, als er die Band für die erste Tour zusammenstellte. Mein erster Eindruck war, dass es sich bei ihm um jemanden handelt, der es ehrlich meint mit seiner Art, mit dem eher unrühmlichen Teil der Vergangenheit der Onkelz umzugehen.

Insofern hatte ich von unserer ersten Begegnung an keinerlei Befürchtung oder Bedenken, dass ich da evtl.  einem braunen Wolf im Schafspelz aufsitzen könnte. Ich war eigentlich selbst überrascht, dass in meinem Freundeskreis, seien es Musiker oder nicht, eigentlich niemand wirklich skeptisch oder gar schockiert reagierte.


Wie auch JC Dwyer und Dirk Czuya ist Henning Menke inzwischen ein fester Bestandteil der W-Familie und nicht mehr aus der Band wegzudenken. Was Dirk Czuya an Praxis abrufen kann, das besitzt Henning Menke an theoretischem Wissen. Menke ist einer dieser Musiker, die jede Frage zum Rock´n‘Roll oder zum Punkrock beantworten können. Die Eingewöhnungsphase ist auch für Henning Menke vorbei. DER W ist eine Band und Menke ist ihr Bassist.

Klar ist Stephan ein durchsetzungsfähiger Typ, aber er legt auf unsere Meinung sehr viel Wert. Er hat halt ein Vetorecht, sonst würden wir ja auch nicht „DER W“ heißen, sondern „DIE W-H-D-JCs“, oder wie auch immer. Manchmal ist es schwer, ihn von etwas zu überzeugen, aber guten Argumenten verschließt er sich nicht. Ich habe allerdings den Eindruck, dass er sich in den letzten Jahren mehr geöffnet hat und uns mehr vertraut und insofern auch ganz langsam ein bisschen Verantwortung von seinen Schultern auf unsere abladen kann. Ich glaube, dass in der Band noch sehr viel Potential steckt und wir noch viele Touren, Songs und CDs (oder was es in Zukunft so geben wird) machen werden.

 



Voheriges Bandmitglied
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JC Dwyer


Nächstes Bandmitglied
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Dirk Czuya