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15. Mai

Bremen und München – Finale Grande

Knapp eine Woche ist jetzt das Tourfinale in München her.

Eine Woche, die wir alle nutzen konnten, um das Geschehene zu resümieren. Was haben wir anfangs gezittert, also vor Berlin – und auch ein bisschen noch danach. Klappt das alles überhaupt? Geht das (irgendwie)? Jetzt, wo alle Gigs gespielt wurden, die spielbar waren, ist die Begeisterung groß und die Enttäuschung derer, die nicht zum Zuge gekommen sind, hoffentlich einigermaßen klein.

Neues hatten wir. Ein “gefaceliftetes” Tourtagebuch, das Spaß machen sollte und – so denke ich jedenfalls – vielen von euch auch Spaß gemacht hat. Vine und Twitter anyone? Da war doch was… Bilder der Band in Strandkörben, kurz vor dem Gig einen kleinen sechs Sekunden Clip mit Pe, der in Berlin “Hallo” gesagt hat, und über dessen Gesellschaft man sich immer freut. Und Gänsehaut gab es. Nicht in kleinen Schüben, sondern in Neu-Isenburg in einer geballten Attacke. Der Künstler, der anfangs noch so mit sich haderte, der hat dort seinen Frieden mit sich und dem Umstand gemacht, das man auch schwerst sediert und unter heftigsten Schmerzen stehend, ein mehr als solides Konzert spielen kann.

So viele kleine und große Highlights während dieser Reise durch die Republik. Großartige Stimmung und herrliches Wetter in Köln. Dazu ein gepflegter Anfall von akutem Kollektiv-Dünnschiss. Ein Gitarrist am Rande der Dehydrierung und ein paar schicke, hinter der Backdrop versteckte Kotzeimer, falls es mal ganz eng hätte werden sollen.

Großartige Supportbands, oder? In Berlin gab es gleich zweimal das große Brett mit Boykott und Toxpack, letztere bis Köln mit echten Anheizerqualitäten im Gepäck und sicherlich mit ein paar neuen Fans nach den Shows. Dunderbeist? Sympathisch bis zum Abwinken; coole Norweger, die einen ziemlich biestigen Rock ablieferten. Bis zum Schluss Vollgas trotz Schminke. Die fette Nummer in Frankfurt nicht zu vergessen. Die Rock`n`Roll Overdose zu Gast in der Hugenottenhalle. Psychopunch, Supercharger, 77, The New Black und die V8 WIXXER. Dazu eine Gästeliste, mit der man ohne weiteres eine Litfaßsäule hätte tapezieren können.

Dazwischen in jeder Stadt Meet & Greets.

Gewinner der Loyality gets Rewarded Aktion durften sich freuen, über gut aufgelegte DER W Bandmitglieder. Über nähere Details zum Unfallhergang Weidners (Das Fahrrad sollte er besser direkt verschrotten. Nicht verkaufen – schlechtes Karma hängt in diesen Pedalen gefangen) und über allerlei Fotos, Autogramme und Small-Talks. Alles total entspannt.

Wir machen hier mal einen kleinen Cut. Meine Rückbetrachtung der Ereignisse ist unwichtig und die des Hauptakteurs werdet ihr schon in wenigen Tagen an dieser Stelle zu lesen bekommen. Stattdessen müssen wir noch was nachholen – in Kurzform und schnell die beiden letzten Städte der Tour abhaken: Bremen und München.

Für Bremen gibt es einen kleinen, aber feinen Nachbericht von Dominik Schober, eines der beiden neuen Gesichter des DER W Forums. Moderator DO_05. Here he goes:

Bremen also war der Ort, an dem ich meinen persönlichen Tourabschluss feiern durfte. Nach intensiven 5 Gigs ist nun Schluss. Für meine Verhältnisse war ich relativ früh am Pier2 und genoss die Ruhe vor dem Sturm. Bremer Freunde und ich versammelten uns und stießen auf das an, was dort im Pier auf uns wartete.

Kurz vor Einlass begann es leicht zu regnen, irgendwie passte das zur Gemütslage kurz vorm Ende der Tour. In der Halle angekommen, orderte ich mir einen schicken Platz abseits der Bühne. Viele bekannte Gesichter stießen dazu und hie und da wurden Fotos gemacht und Erlebnisse der Tour und vorherigen Touren ausgetauscht. Leute aus dem Blog, Facebook und Forum prosteten sich zu. Ich für meinen Teil traf den einen oder anderen zum ersten Mal. Auf ein baldiges Wiedersehen!

20 Uhr, eifrige Konzertbesucher wissen sicher, dass es Zeit ist, sich in Position zubringen für DUNDERBEIST. Auch wenn ich persönlich noch nicht ganz warm geworden bin mit den Jungs aus Norwegen, sehe ich in den Mengen immer mehr, die sich voll und ganz auf die Norweger-Combo einlassen und auch ich erwische mich beim Gedanken dabei, mich nach der Tour mit Dunderbeist ein wenig mehr zu beschäftigen.

Fixer Umbau und schon ertönten die Klänge des FUROR Intros und gleichzeitiger Start der Operation Transformation. DER W nach dem bitteren Angriff der Magen-Darmkrieger wieder voll in Ihrem Element. Keine Anzeichen der Wehwehchen der Vortage.

Auch wenn es mein fünftes Konzert der Tour ist, bin ich noch immer geflasht von der Setlist dieser Tour. Ein Rockbrett durch und durch. Persönlich freu ich mich jedes Mal auf “Pack schlägt sich, Pack verträgt sich”. Das Outro des Songs inkl. der Bandvorstellung hat einfach was.

Hier sei auch erwähnt, dass die Pogoeinlagen immer wieder cool vonstattengegangen sind. Bekannter von mir mit leicht lädierter Hand raus gekommen, aber faire und Hilfsbereite Pogoianer trifft man halt nur auf W-Konzerten.

Den Beginn des Zugabenblocks erlebte ich am Bierstand – ich hatte die Pause irgendwie länger in Erinnerung. Nichtsdestotrotz hallten durch das Pier 2 die vertrauten Silben “W-ZWO-DREI!!”.

Das Highlight mit “Kafkas Träume” geht live nochmal runter wie Frittenfett oder in Bremen runter wie Fischöl. DER W verabschiedeten sich wie jedes Mal dieses Jahr mit REGEN und den dazu passenden Worten von Stephan.

Nach der Show plauschte ich noch kurz mit Stephan, erkundigte mich nach seinem Zustand und war erleichtert zu hören, dass er immer mehr aufm Weg der Besserung ist. Außerdem stellte ich fest, dass ich in Zukunft die ein oder andere W-Hochburg mehr besuchen sollte.

Trotzallem verlasse ich nun das Tourboot, passend dazu in Bremen und verkrieche mich in mein Sauerstoffzelt, bevor ich dann meine nordischen Zelte abbreche und mich wieder nach Berlin aufmache.

Auf ein W-iedersehen!

Dominik Schober

Danke, Dominik. Überhaupt mal ein Dankeschön an dieser Stelle an unsere Tourtagebuch-Gäste. An Sarah Rademacher, Tobias Stark, David Barnigeroth und Dominik Schober.

München stand als nächstes – und als letztes auf dem Plan. Das große Finale, das dann auch – Stephan hat es gerade noch mal bestätigt – ein würdiger Abschluss war.

Zunächst war da eine ziemlich lange Strecke zu bewältigen. Man kann sich sicherlich vorstellen, dass eine derartige Tour für jeden Fahrer eine immense Herausforderung ist, und so musste hier kurz personell gewechselt werden, um nicht mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten.

Gäste aus München hatten sich angekündigt, aus dem Maffay Büro. Und nicht nur das, vom Peter gab es erneut einen schönen, handgeschriebenen Brief an Stephan (erinnert euch an 2004, Onkelz-Abschluss in Hamburg), der ihm überreicht wurde.

Dunderbeist spielten ihren letzten Gig, aber davor noch die Eschenbacher. Ohne Nils, der hatte die Band schon ein paar Tage vorher verlassen, dafür aber mit viel Enthusiasmus und Energie. Immer wieder rockbar, die Eschis. Kommen auch immer besser an. Dann die Norweger. Letzer Gig einer für sie sehr respektablen Tour. Ich erwähnte es ja bereits mal: Von Stadt zu Stadt unterschiedlich, aber immer im grünen Bereich bei der W-Crowd. Applaus muss man sich verdienen und den haben sich die Jungs verdient. Von Köln bis München.

Der DER W Gig war sehr stark. Stark insofern, weil die Band gut drauf war, das Publikum es im (eigentlich nicht existenten) Stimmungsranking in die Top-Five geschafft hat und es zwei witzige Anekdoten zur Show gibt.

Erstere: Vor Regen die Ansage Stephans. “Wir spielen einen Onkelz-Song.” Jubel. “Wir covern jetzt, weil… ” Jubel. Tja und dann… Dann sagt der W doch glatt Mexico an, anstatt des Regens. Was war das denn? Das Publikum, sichtlich erfreut und verwirrt gleichtzeitig, nimmt den Ball natürlich sofort auf. Mexico, Mexico, Mexico. Eine Halle vereint in Glückseligkeit und der stillen, gaaaanz leisen Hoffnung, DER W möge die Stelle zum Tanzen zum Besten geben. Nach dem Konzert meinte Stephan zu mir, er wolle die Fans eigentlich nur ein bisschen verscheißern. Auf die liebevolle, gut gemeinte Weidner-Art. Die versteht aber nicht jeder und das ist auch nicht jeder Manns Humor. Die Geister, die der Sänger da rief, wurde er jedenfalls nicht so schnell los. Egal, irgendwann machte Stephan das, was er schon so oft getan hat: den gefürchteten weidnerischen Halbernst hervor- und das Publikum runterholen. Beim W gibt es kein Mexico. Auch dann nicht, wenn der Sänger es selbst ansagt. Muss sich für die lautesten Mexico-Rufer angefühlt haben, wie Petting ohne Höhepunkt, aber lustig war es trotzdem. In einem solchen Fall vielleicht doch mal die Les Humphries Singers covern. War ja schon mal im Gespräch, damals, 2009.

Sammy von den Broilers sagte backstage in Köln, dass er es geiler finden würde, wenn der Geschichtenhasser nach dem Regen käme.

“Man muss doch die Leute mit einem W-Song nach Hause schicken”, war sein genauer Wortlaut. Und das taten die Jungs in München das erste Mal auf der Tour. Der Geschichtenhasser beendete diesen furiosen, höchst unterhaltsamen Abend und damit die Tour. Hat sich richtig angefühlt, oder?

DER W live 2013 war ein Ereignis. Ein Event mit vielen Fragezeichen und Unkenrufen im Vorfeld. Alles wurde weggewischt, der größte Schmerz zuerst sediert, dann ignoriert und zu guter Letzt gab es dann auch das erste, nicht alkoholfreie Bier für Stephan auf dieser Tour. Es blieb bei einem. Oder bei zweien. Denn der große Durst nach dem Gerstensaft wollte sich nicht einstellen, und das trotz wochenlanger Abstinenz.

Ein gelungener Abend und der wunderbarer Finisher einer sehr schönen Tournee.

Machen wir einen kurzen Sprung in die Gegenwart. Die Band ist daheim, Stephan relaxt und gönnt sich die wohlverdiente Ruhe. Und ich möchte die Gelegenheit nutzen, auch kurz “Dankeschön” zu sagen. Es war mir eine Ehre, für euch zu berichten und auch durch die Meet & Greets zu führen. Ich hoffe, ihr hattet Spaß. Schickt mir euer Feedback gerne an Dennis.Diel@der-w.de und vielleicht gibt es ähnliche Aktionen ja wieder – wer weiß?

Den Abschluss lasse ich einem anderen Frankfurter Original. Denn das Zitat passt so gut wie kein anderes, das mir einfallen will:

Am Ende wird alles gut. Und wenn es nicht gut wird, ist es auch nicht das Ende.

Danke an alle. Bald mehr vom W.

Dennis Diel

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13. Mai

Interview mit Stephan auf unart.org

Hallo zusammen,

den ersten After-Tour-Kater haben wir hinter uns gelassen, und bevor es schon sehr bald eine Nachbetrachtung zu Bremen und München gibt, sich Stephan bei euch mit seinem ganz persönlichen Resümee meldet, hier ganz fix der Hinweis, dass Stephan in Hamburg Marcel Enzmann von unart.org Rede und Antwort stand.
Herausgekommen ist ein sehenswertes Interview, das ihr am 15.05. – also praktisch morgen – auf http://unart.org/ zu folgenden Uhrzeiten verfolgen könnt: 02.00, 08.00, 14.00 und 20.00 Uhr.

Wir wünschen Euch viel Spaß.

More to come…

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7. Mai

05.05.2013 Oberhausen – Die W.W.`chen Tour und das Ruhrgebiet

Code red auf der Roten Oktober. Oder besser: code brown auf der MS Mief.

“Stay away! Stay away! No joke, Dude. Go away before it gets you too. Out, now!”

JCs Begrüßung als ich gegen 13.00 Uhr an einem wunderbar sonnigem Sonntag in Oberhausen ankomme und meinen Laptop im Produktionsbüro aufbauen will. Ein verwunderter Blick meinerseits und ein großes gelbes Fragezeichen über meinem Kopf. Dann ein kurzer Blick gen Dirk. Oh, Scheiße. Whatever could gets me too, it seems to be pretty bad. Der Mann sieht echt kaputt aus, kann kaum aus den Augen gucken und während sich in meinem Kopf Weltuntergangsszenarien Kingschen Ausmaßes abspielen (Die W-Band als Erstträger einer tödlichen Virusinfektion, die erst Oberhausen und schon in wenigen Tagen das komplette Land dahingerafft haben wird), klärt mich der Spandauer auf, der auch schon mal besser ausgesehen hat: “Hier kursiert ein Virus. Oder ein Bakterium. Man weiß es nicht so genau was es ist. Wir vermuten, dass Henning ihn eingeschleppt hat. Jedenfalls kotzen und scheißen alle seit gestern. Stephan saß die ganze Nacht auf der Bustoilette, Dirk ist heute richtig dran und die Crew… Die hat`s auch erwischt.” Der Henning also. Damit hätten wir schon mal wenigstens die Schuldfrage geklärt. Aber egal, drauf geschissen (Ok, der war flach, zugegeben).

Ich bin ja eine Art Hobby-Hypochonder. Dreizehn Jahre mit einer Frau zusammen, die bei jeder Gelegenheit desinfiziert. Aber wirklich immer. Überall. Wie der Ami, der sogar beim Einkaufen eine Knarre dabei hat, sind zwei Finger ihrer Hand immer am Sagrotan, um jedes noch so friedliche biotisch mikroskopische Lebewesen zu töten. Sowas färbt ab. Und während ich gestern durch die Gänge gehe und vermutlich konterminierte Türgriffe anfassen muss, wünsche ich mir ihn herbei: den kleinen Begleiter in der weißen Plastikpackung mit dem Sprühkopf und der keimtötenden Dosis. No Chance. Scheinbar hatte ich aber Glück, denn noch während ich diesen Bericht tippe, verspüre ich nicht den Drang, mich zu übergeben. Ich klopfe besser sechsmal aufs Holz.

Der Spandauer angesichts der großen Anzahl Meet & Greet Teilnehmer zweifelnd, ob das Ding überhaupt durchgezogen werden kann. Ich persönlich hoffe es, denn 25 Menschen – die man einen Abend vorher via Email noch in vollste Vorfreude gestürzt hat – mitteilen zu müssen, das das Meet & Greet wegen allgemeiner Kotzerei ausfällt, ist keine schöne Aufgabe. Stephan gibt dann Entwarnung. Es geht, sagt er. Aber kurz. Vielleicht ein paar schnelle Fotos und Autogramme, aber keine große Sache. Ich soll das den Leute mitteilen und bin froh, dass wir es so machen und ich den Fans nicht absagen muss.

Inzwischen ist es fast Nachmittag und die Sonne brennt. Endlich ist der fucking Frühling da, oder? Was haben wir drauf gewartet, auf diese gelbe Kugel und heute brennt sie und während Teile der Crew das Merchandise aufbauen, die W-Band sich langsam zum Soundcheck bereit macht (den Dirk aber nicht vollständig mitmacht – er braucht noch dringend etwas Ruhe vor dem Gig), stehe ich auf dem Balkon am hinteren Teil der Turbinenhalle und denke nach. Über alles. Lasse alles noch mal Revue passieren und bin froh – und auch ein bisschen stolz – ein kleiner Teil dieses gewaltigen Tour-Apparates zu sein.

Gäste haben sich angekündigt. Düsseldorfer – Freunde des Hauses. Man kennt sich schon länger und man mag sich vielmehr, als das man sich hasst (um mal etwas frei eine Songansage eines Düsseldorfer Gastes von gestern zu rezitieren). Ich bin gespannt, wie der Abend verlaufen wird, schließlich sieht man diese Leute nicht jeden Tag und ja – ein kleines bisschen nervös bin ich auch, denn ich bin ein großer Freund der Musik dieser Düsseldorfer…

Vorher wird die Gästeliste auf Vollständigkeit geprüft. Ganz schön lang – ich glaube sogar nach Neu-Isenburg die längste Gästeliste auf dieser Tour. Ein paar Street-Team Member (die man endlich mal persönlich kennenlernt und sich so bei den Leuten für ihren Support bedanken kann) sind auch dabei. Schick, schick.

Kempe weist die örtliche Security ein. Wer darf auf den VIP Balkon und wer nicht, was passiert, wenn was passiert, etc. Routine eben.
Die leeren Hallen wirken immer gespenstisch auf mich. Diese Ruhe, nur vereinzelte Lichter; Spannung und Strom, der fast fühlbar ist, während draußen die Meute auf Einlass wartet.

Die Zeit verfliegt und es ist Meet & Greet Time. 18.45. Stephans Essen ist noch nicht da, es muss also etwas nach hinten verschoben werden. Ich hole die rund 25 freundlichen Leute am Eingang ab und führe sie hinten rum, hoch über die Treppe und das Sonnendeck in einen schicken Backstage-Raum mit Korbstühlen. Hier kann man es aushalten. DER W kommt. Ohne Dirk. Der braucht weiterhin Ruhe und wahrscheinlich auch Flüssigkeit. Stephan erklärt den Fans die Problematik – natürlich nicht, ohne ein paar Witze zu machen und erwähnt auch, dass es heute alles etwas schneller gehen muss. Tut es aber natürlich nicht. Wenn man die Band einmal so in Griffnähe hat, dann will man auch “zupacken”, ist doch logo. Es werden ein paar Fragen zu “Komm schon” und natürlich auch zum Unfall gestellt, es werden Fotos geschossen und Autogramme geschrieben. Alles chillig. Keiner stresst rum, weil es jetzt doch etwas länger dauert, auch wenn zwei Teilnehmer verspätet aufkreuzen und vom Spandauer reingebracht werden.
Nach dem Meet & Greet atme ich kurz durch. Ich bin froh, das mit den Treffen dieser Aktion fast immer alles klappt. Da gab es vorher einige Bedenken meinerseits, die aber scheinbar unberechtigt waren. Klar, nicht immer klappt es überall bei jedem, aber so ist das halt.

Um kurz nach sieben hole ich die Backstage Pässe für unsere Gäste bei Kempe ab und langsam wird`s voll in der Halle. Ich relaxe noch ein bisschen und höre meinen Magen ab. Kein Grummeln. Noch nicht. Ich hoffe, dass das so bleibt. Vom Balkon speien ist nicht so mein Ding.
Um kurz nach acht – die Halle ist verdammt gut gefüllt und Dunderbeist haben gerade angefangen – hole ich unsere Gäste ab. Sehr entspannte Menschen. Alle miteinander. Freundlich, locker, gut drauf. Wunderbar. Die erste Nervosität verfliegt bei mir so ganz von alleine und ich beginne den Abend in vollen Zügen zu genießen, während ich viele gute Gespräche mit guten Menschen führe.

Dunderbeist gefallen mir immer besser. Ich glaube, das die das Zeug zu einer großen Band haben, wenn sie auf noch mehr offene Ohren stoßen. Das W Publikum ist bei der Band von Stadt zu Stadt unterschiedlich. Von “ganz ok” bis “ziemlich gut” reicht das Meinungsspektrum und wisst ihr was: Das ist cool, denn die Band ist sicherlich nicht jeder Manns/Frau`s Geschmack und ihr, die ihr sie nicht sooo geil findet, hört sie euch trotzdem respektvoll an und spendet Applaus. Finde ich klasse.

Im Backstage wird die erste Flasche Wein aufgemacht (unsere Magen-Darm-Patienten bleiben natürlich gewissenhaft bei Selters) und so langsam bereitet sich die Band mental auf den Gig vor. Ich mach mir ein paar (unberechtigte) Sorgen um Dirksn, der echt zu kämpfen hat. Aber dann rockt er pünktlich zu Showbeginn und bespielt seine Gitarre, schwitzt einfach alles aus, als hätte er nie Magenprobleme gehabt. Die Band hat sich ja vorsorglich mit Eimern hinter der Backdrop ausgerüstet, falls da doch mal was raus muss, und das ja schon via Vine und Twitter reichlich selbstironisch zur Schau gestellt.

Oberhausen – Hexenkessel. War er schon 2011 zweimal und ist er heute wieder. Die Halle bebt und die “Oh, wie ist das schön!” Sprechchöre sind laut, fett und erzeugen hübsche Ganzkörpergänsehaut-Angriffe. Stephan kündigt “Mordballaden” an und die Fans wissen, was kommt. Ergreifen schon vor dem eigentlichen “Jetzt aber ihr, passt auf, so geht das…”-Teil die Initiative und machen unisono das, was der Sänger eigentlich noch so schön mit der Crowd einstudieren wollte. Klappt nicht, die Halle macht ihr eigenes Ding. Geil. Stephan grinst, versucht noch einmal seine Choreographie unter die sangeswütigen Männer und Frauen zu bringen, und bittet einmal ganz kurz via weidnerischem Halbernst: “Könnt ihr mal bitte kurz die Fresse halten, während ich rede” darum, Gehör zu finden. Die Leute feiern es ab und es klappt doch noch so, wie vom W gewünscht. Die Halle wird zweigeteilt und dieses Mal sitzt die Choreo. Das war ein Spaß, oder? Ich wusste ja schon immer, das Mordballaden ein Hit ist. Das Ding geht einfach sofort ins Ohr. Mein Liebling auf der W III.

Vor dem Geschichtenhasser erklärt Stephan dann noch mal die “Alarm-im-Darm” Problematik der letzten Tage, erntet dafür Lacher und dann folgt auch schon der erste große W-Hit vergangener Tage. Rockbrett. Für viele war der Geschichtenhasser 2008 der Einstieg in die nach-Onkelz-Zeit und die Leute gehen bei dem Song immer noch krass ab, bevor die Band dann mit dem “Regen” alle nach Hause schickt. Glücklich, hoffentlich – aber davon gehe ich mal aus. Wer sich im Jahre 2013 bewusst für den W und seine Band entscheidet, der weiß, worauf er sich einlässt. Der bringt das nötige Verständnis und absolute Rockbereitschaft mit und der hegt keine falschen Erwartungen mehr an Setlist und Künstler. Darauf kann jeder stolz sein, vor, hinter und – am meisten – auf der Bühne. Wer eine so große Halle zum Kochen bringen kann, ohne auf “Nummer sicher” zu setzen und die Qualität des eigenen Materials konstant über sechs Jahre höher schraubt , der erntet Fans, die es verstanden haben, worum es bei DER W geht.

Oberhausen hat gerockt. Nicht wie immer – sondern immer wieder aufs neue anders. Die Leute im Pott – und das war schon bei BO so – haben ihr eigenes Ritual, die Künstler abzufeiern. Und das ist es, was diese Abende so unvergesslich macht.
Nach dem Konzert, mein Magen bleibt weiterhin ruhig, steht Stephan noch euphorisiert im backstage und es wird noch bis fast halb eins diskutiert. Mit den Gästen aus Düsseldorf, die auch Spaß hatten, am Wschen Treiben in dieser Nacht. Man tauscht Erfahrungen aus, lacht viel und… ja, man mag sich vielmehr, als das man sich hasst.
Ich bin raus. Danke, Oberhausen.

Dennis

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6. Mai

Stuttgart – Der Regen weicht der Familie Weidner

Puh, Leute. Was war das denn für ein geiles Wochenende? Nürnberg? Stuttgart? Oberhausen? Dreimal habt ihr gerockt, das uns die Kinnlade runtergeklappt ist. Das ist verdammt fett gewesen mit euch.
Bevor nachher noch was zu Oberhausen kommt, hier schon mal der Bericht zu Stuttgart. Verfasst von Tobias Stark. Seines Zeichens Redakteur bei der Mindfuck Society. Danke, Tobi.

Wir schreiben Samstag den 04. Mai. Nun ist es also soweit, das letzte Konzert der Tour steht heute für mich an. Ein wenig wehmütig aber voller Freude denke ich kurz an die vergangen Wochen zurück. Berlin, Hamburg, Frankfurt und was da noch so alles auf dem Plan stand. Und heute soll es schon vorbei sein? Ein wenig traurig macht es mich ja schon, denn schließlich sind es nicht nur die Konzerte an sich, sondern auch die vielen tollen Menschen die man auf Tour wieder trifft. Die Traurigkeit weicht aber schnell der Vorfreude auf den heutigen Abend. Stuttgart war ja bekanntlich bisher immer eine Stadt auf die man sich stimmungstechnisch verlassen konnte.

Ich werfe meine Kamera und mich ins Auto und begebe mich in Richtung Autobahn nach Stuttgart. Keine Ausflüge, keine Umwege, kein Hotel. Der Weg führt direkt zum LKA. Heute etwas früher als sonst, denn für uns steht noch ein kurzer Interview Termin an. Als Sarah und ich gegen 16:30 an der Halle ankommen machen wir uns erst einmal zu einer kleinen Begrüßungsrunde auf. Vor dem Einlass stehen auch schon die Ersten “Die Hards” um sich, trotz des noch anhaltenden Regens, Ihren Platz ganz vorne zu sichern. Ich bin bei jedem Mal wieder erstaunt, was die Leute alles über sich ergehen lassen nur um ganz vorne zu stehen. Respekt!
Wir reden reden also noch kurz mit ein Paar der Anwesenden über die vergangen Tage und machen uns dann auch schon bald auf um die Location für das Interview zu checken. Noch im Ungewissen wo das Interview denn nun letztendlich stattfinden soll, wählen wir den großen Vorraum des Backstagebereiches um die Technik zu checken und einen ersten Schlachtplan zu entwerfen. Der von Konzertpostern tapezierte Raum sollte uns da einige Möglichkeiten bieten. Wir nutzen die noch verbleibende Zeit, um mit der Crew und einigen Bandenmitgliedern zu reden, bevor dann auch ein sichtlich gut gelaunter Stephan dazu stößt, um uns zusammen mit Dirk Rede und Antwort zu stehen. Die Sterne stehen gut, denn wir sind vorbereitet und die Eintracht hat gewonnen, was sowohl bei uns als auch bei Stephan zu sichtlich guter Laune beigetragen hat. Dementsprechend locker verläuft auch das Interview. Die Zeit vergeht wie im Flug und der Band bleibt nicht viel Zeit, insbesondere Stephan und Dirk nicht, die sich ja gerade erst aus dem Sichtfeld unserer Kamera bewegt haben. Denn es steht direkt der nächste Termin an. Meeeeeet and Greeeeeeet! Die Fans werden von Stefan Kempe in den Backstagebereich geleitet um dort mit der Band einen paar Worte zu wechseln, Fotos zu machen und allerhand W-Stuff unterschreiben zu lassen. Eine Aktion die sich auf jeden Fall lohnt, denn den Fans macht es sichtlich Freude.

Viel Zeit, um mir das Treiben rund um das Meet and Greet anzuschauen bleibt nicht, denn die Vorbereitungen für den Fotograben mussten noch getroffen werden. Da steht die Wahl des Objektivs, es mussten Einstellungen geprüft und der Graben an sich gecheckt werden. Man will ja schließlich nicht unvorbereitet Fotos schießen. Pünktlich um 20:00 Uhr geht es dann auch schon los. Dunderbeist betreten die Bühne und heizen die Menge mit Ihrem, von Sarah so liebevoll genannten “Battle-Metal” schon mal ordentlich ein. Man merkt hier schon, Stuttgart hat Bock heute. Dunderbeist gehören musikalisch sicherlich nicht zu dem favorisierten Genre des gemeinen W-Fans, doch wissen die Jungs durch ihr Können und ihre Qualitäten die Menge schon ordentlich zu begeistern. Das gefällt, und macht Spaß! Im fast ausverkauften Haus wird schon gut gefeiert und sich warm gemacht, was sich auch schnell auf die Temperatur in der Halle auswirkt. Es verspricht ein sehr warmer Abend zu werden. Um 20:45 Uhr ist das Set vorbei und der Umbau beginnt, während sich Dunderbeist bei gebührendem Applaus verabschieden. Wie ich finde eine sehr gute Wahl als Support-Act, wenn auch aus einem ganz anderen Genre stammend. Das macht es für mich aber auch gerade so interessant.

Ich nutze die Zeit des Umbaus, um vor der Tür noch schnell meinem Laster nachzugehen und durfte mit Erfreuen feststellen, dass auch das Wetter nun besser geworden ist. Der Regen musste einem fast wolkenlosen Himmel mit Sonnenschein weichen und sollte erst zu einem späteren Zeitpunkt in der Halle wieder einsetzen. Dazu komme ich aber noch.

Es ist soweit, Henning, Dirk, JC, und Stephan stehen in den Startlöchern und machen sich so langsam warm für die Show. Ich mache mich währenddessen auf in den Graben. Man merkt jetzt auch langsam die Spannung im Publikum. Die obligatorischen “Stephan Weidner” Rufe schallen durchs LKA und den ersten Reihen sieht man deutlich an, dass sie es kaum erwarten können. Ich bringe mich also in Stellung, um die ersten 3 Lieder auf Bild festhalten zu können. In Stellung bringen ist hierbei auch das richtige Wort, denn der Graben bietet nicht viel Platz für schnelle Stellungswechsel.

Aber zurück zum Wesentlichen, dem W., der Band den Weidnern. Dirk, Henning und JC Weidner betreten unter lautem Jubel die Bühne zum Intro. Der Jubel und die lautstarke Freude der Fans steigert sich nochmal um einige Dezibel als auch Stephan die Bühne zu “Operation Transformation” betritt. Es wurde nicht zuviel erwartet, denn Stuttgart zeigt wirklich nochmal, dass Sie ein feierfreudiges Volk sind. Manchmal sogar ein wenig zu feierfreudig, denn Stephan hatte das ein oder andere Mal damit zu kämpfen, seine Ansprachen zwischen den Songs zu platzieren. So musste der ein oder andere Fan kurz getadelt werden und an den “Respekt vor Erwachsenen” erinnert werden. Alles in Allem aber kein Problem und so wurde es ein richtig gutes Konzert. Stuttgart hat hier keineswegs enttäuscht.

Warum aber habe ich ein Paar Zeilen zuvor von “Weidnern” gesprochen? Tippfehler? Nein! Dies ist einer fixen des Herrn am Gesang geschuldet. Bei den vielen “Stephan Weidner” Chören kam dem Front-Weidner die Idee, “den Rest der Band zu adoptieren”, denn so könne man mit den “Weidner” rufen vielleicht auch viel besser leben. Das ist es aber auch was man hier auf der Bühne zu sehen bekommt, eine Einheit die schon fast einer Familie gleicht. Das scheint auch beim Publikum so anzukommen. Stephan erkennt es schon vorweg und redet von dem Gefühl, dass die Leute nunmehr nicht nur wegen einem Ex-Onkel, sondern wegen der Band “Der W” kommen. Das hat sich für mich auch bei dem zum Schluss einsetzenden “Regen” gezeigt. Hatte man zu Anfang der Tour noch das Gefühl, dies wäre der am stärksten gefeierte Song, musste auch ich an diesem Abend freudig feststellen, dass dem nicht mehr so zu sein scheint. Regen ist sicherlich eines der Highlights im Publikum, hat aber gefühlt keinen Schwerpunkt mehr in der Stimmungsskala. So ist es schön zu sehen, dass mehr “Der W” als Band und nicht mehr der Ex-Onkel hier im Fokus steht. Mit diesem Song verabschiedet die Band die Stuttgarter Fans dann auch in die Nacht.
Ein wirklich gelungener Abend und man wird sicherlich gerne wiederkommen. Das Gleiche gilt selbstverständlich auch für mich! Ich packe also langsam meine Sachen zusammen und mache mich zusammen mit Sarah auf, um allen auf Wiedersehen zu sagen bevor Crew und Band sich auf den Weg nach Oberhausen machen.

Das war es von mir aus Stuttgart und Meinem Teil der Tour. Somit verabschiede ich mich in die Nacht, mache mich auf den Heimweg und zurück in den Alltag, während der Tourbus noch ein Paar Tage weiter rollt.

Tobias Stark

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3. Mai

Göttingen – Morphiumpflaster, alkoholfreies Bier & fetter Rock’n’Roll

Die Zielgerade der Tour ist in Sicht, meine Damen und Herren.
Mit Göttingen haben wir nun den elften Gig hinter uns gebracht und die Band läuft wie aufgezogen. Ihr seid ja sowieso immer gut drauf und gebt ordentlich Gas. Die Dopamin- und Adrenalinausschüttung der Band ist ja nun – oft genug wurde es ja bereits erwähnt – vor und nach den Shows auf Level 1 Niveau.

Göttingen reiht sich also nahtlos ein, in die Liste der Städte, in denen DER W gerne gesehen ist und macht da weiter, wo in Hamburg aufgehört wurde. Gute Stimmung, Gäste aus dem Forum und dem W-Umfeld (u.a. waren Moderator “Moondog” und Michael “Mitches” Bartl zu Gast) und eine tolle Location. So kann es doch eigentlich weitergehen.
Bevor heute also in Nürnberg gerockt wird, Stuttgart und Oberhausen noch an diesem Wochenende beschallt werden, lest ihr jetzt unten den Bericht von David Barnigeroth, der das Erlebte aus seiner Sicht schildert.
Danke, David und viel Spaß mit dem, was er euch zu berichten hat.

Als ich mich gegen 17 Uhr leicht verspätet auf dem Weg nach Göttingen mache und Zeitdruck im Nacken habe um euch noch einige Backstage-Storys einzufangen, ahnte ich schon, dass es eine ganz heiße Angelegenheit heute wird.
Ich war kaum über die Grenze nach Niedersachsen, da ging das Spektakel für mich schon los: „Allgemeine Verkehrskontrolle, Führerschein & Fahrzeugpapiere bitte“! Verdammt – dann, wenn die Zeit eh schon knapp ist, auch noch so etwas.
„Haben sie etwas getrunken? Drogen konsumiert? Oder haben sie was dabei?“ Es hörte sich fast danach an, als würde es hier noch eine Weile dauern, bis ich die letzten 80 Kilometer bis Göttingen durchdonnern kann.
Nach ein paar Sätzen, „Wohin des Weges?“, ließ man mich wieder frei & Göttingen stand nichts mehr im Weg!

Stephan & Band hatten einen Tag vorher schon den „Day-Off“ in Göttingen verbracht. Ausschlafen, was Essen gehen & Fußball schauen.
Gegen 18 Uhr segele ich an der Stadthalle ein und treffe gleich einige bekannte Gesichter.
Das Meet & Greet läuft wie immer nach Plan ab und alle scheinen einen recht entspannten Eindruck zu machen. Fotos werden geschossen, Autogramme geschrieben und einige Gespräche führt die Band knapp eine halbe Stunde, bevor die glücklichen Gewinner sich zurück in die Halle begeben.

Punkt 20 Uhr läutet das Intro für Dunderbeist , und ein Blick vom Bühnenrad verrät, dass heute Göttingen ziemlich leer erscheint. Was ist denn hier nicht los? Göttingen, wo seid ihr? Habt ihr etwa am Mittwoch beim Champions League Halbfinale Barcelona-Bayern zu tief ins Glas geschaut oder doch etwa den „Tag der Arbeit“ zu hart gefeiert? Noch ist Zeit & ich verlasse mich auf die, die noch nicht da sind, dass es trotzdem voll wird. Kurze Raucherpause mit Henning & Dirk am Hintereingang & ich ziehe mir die Support Truppe vom Bühnenrad die letzten 20 Minuten Intensiv rein. Recht geile Mukke, die haben von ihren Handwerk 100% Ahnung & bringen die schon anwesenden Fans ordentlich ins Schwitzen.
Göttingen füllt sich & spätestens bis zur Umbaupause ist die Halle zu gut dreiviertel gefüllt.

Als um 21:15 Uhr „Furor“ als Intro erklingt, ist Göttingen in alter Manier! Die „Stephan Weidner und seine Bääänd“ Rufe peitschen durch die Halle und Stephan samt Band sind nicht mehr zu stoppen! Das Set wird runtergerockt, die Stimmung kocht, die Stadthalle brodelt.
Wenn es am schönsten ist, soll man ja aufhören….Pustekuchen! Erst jetzt wird es nochmal richtig Fett, als die Zugabe mit „W-Zwo-Drei“ startet. Kafkas Träume & Geschichtenhasser gehen runter wie Öl und ich glaube, dass Göttingen wohl doch ganz gut abschneiden wird im Stimmungs-Ranking der Städte. Für „Regen“ finde ich leider keine Worte, man sollte es erlebt haben. Das Feeling, das das Publikum ausstrahlt ist unbeschreiblich.
Kurz nach 23 Uhr war’s das und Göttingen ist auf der W III Tour abgehakt.

Nach der Show spreche ich noch mit Stephan über seine gebrochenen Rippen, die Morphiumpflaster und alkoholfreies Bier.

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1. Mai

Hamburg: Sunrise over Reeperbahn ­Kiezsauna deluxe!

Moin Hamburg, du alte Hanse!

Schreibe ich also das Tourtagebuch für meine neue Wahlheimat und erfülle damit eine ehrenvolle Aufgabe. Mitten auf der Reeperbahn zwischen der gefürchteten Davidswache und dem berühmten Beatles-Platz liegt also die Große Freiheit. An normalen Tagen stolziert dort Olivia Jones entlang, wenn sie nicht gerade die Quoten für RTL mit Dschungelprüfungen in die Höhe treibt und posiert mit Touristen für ein Erinnerungsfoto. Fünf Minuten weiter an der Ecke zum Hans-Albers-Platz stehen die leichten Mädchen und versuchen ebenfalls testosterongesteuerte Hansestadtbesucher abzufangen. Oh ja, das ist der ehrwürdige Hamburger Kiez.

Doch kommen wir zurück zur Großen Freiheit, die Stephan mittlerweile regelmäßig, mit Ausnahme des einmaligen Ausflugs ins Docks, bespielt. Architektonisch eine tolle Venue, so lässt der Rundum-Balkon auf der oberen Etage eine saalonartige Atmosphäre aufkommen. Das Astra in den Fingern, die andere Hand am Geländer – so lässt es sich dort oben prächtig aushalten, wenn man nur gucken möchte.
„Die Steher“, wie Stephan liebevoll seine gemütlichen Fans nennt, kommen in der großen Freiheit definitiv auf ihre Kosten. Der Blick auf die Bühne und den tobenden Mob sind immer wieder ein Erlebnis wert, das muss ich alte „Erste-Reihe-Kämpferin“ sogar zugeben. Doch kommen wir zur Show:

Für sämtliche skandinavische Vorbands war Hamburg bisher immer ein gutes Pflaster. Seien es die Wonderfools zu Onkelz-­-Zeiten, die im Café Keese versackten oder D-­-A-­-D, die die Stimmung bei Konzerten immer mit „a little bit reeperbahnish“ beschrieben. Eine gute Voraussetzung für die norwegischen Dunderbeist. Die herzlichen Wikinger reissen eine solide Show ab und wuchten ihren „Battle-­-Metal“ über die knarrenden Bühnenbretter. Was die Stimmung bei Der W betrifft, so hat Neu-Isenburg die Latte gestern ziemlich hochgelegt. Hamburg muss mächtig anstinken um gegen die temperamentvollen Hessen nicht alt auszusehen. Die obligatorischen “Wir wollen den Weidner sehen“-Rufe weisen schon mal in die richtige Richtung. Der Abend soll, nein er muss laut und dreckig werden. Im Gedächtnis soll er bleiben. Mindestens bis zum nächsten Stadtbesuch von Der W.
Als die Band auf die Bühne kommt gibt es in der großen Freiheit kein Halten mehr. Ich habe es mir auf dem Balkon schräg über Dirk gemütlich gemacht und staune nicht schlecht, über das was ich sehe. Ein fulminanter Pogokreis bildet sich und ein gutes Dutzend Kerle und ein Mädel tanzen sich in eine Rock’n’Roll-Ekstase. Ganz klar, die Hamburger nehmen den Kampf mit den Hessen auf und ich stehe im Zwiespalt mit meiner Heimat und meinem jetzigen Wohnort. Die W-Band treibt den Mob voran, die ersten Songs werden rücksichtslos durchgeknallt. Die Hamburger nehmen volle Fahrt auf. Fast schon dankend, sehne ich die etwas ruhigeren Lieder herbei und kralle mich erschöpft am Balkongeländer fest. Die Temperaturen in der großen Freiheit müssen heimlich Wüstengrade angenommen haben. Die Luft steht, die Klamotten kleben, der Schweiß perlt nicht nur an Stephans Stirn. Selbst wir “Steher” im oberen Bereich kämpfen gegen die Hitze an, von den tapferen Fans unten im Cirlce Pit und den ersten Reihen will ich gar nicht erst reden Der Pogo und die Fangesänge ziehen sich durch das ganze Set durch. Es ist jetzt sowas von klar, was die Hamburger Fans wollen. Den Platz auf dem Siegertreppchen für das beste Konzert. In meinen Augen das nach einem bisherigen Kopf an Kopf Rennen aus. Frankfurt war Wahnsinn. Hamburg I gibt ordentlich Gas und Hannover soll laut einigen Stimmen auch ziemlich krass gewesen sein.
Zum Zugabenblock erscheint Dirk mit einer irischen Maskerade. Die Crew schleppt seit Tourbeginn einen Koboldhut mit rotem Bart mit sich und mittlerweile hat sich daraus ein Running-Gang entwickelt. Pro Show muss einer dran glauben. War es in Neu-Isenburg JC, so ist in Hamburg Dirk dran. “Findeste das jetzt lustig, oder was?” krakelt Stephan Richtung Dirk und erntet ein freches Grinsen seines Gitarristen. Der Menge gefällt’s, ich komme aus dem Lachen nicht mehr heraus. Stephan droht Henning mit dem Zeigefinger, sollte er der nächste sein, der so “entstellt” auf die Bühne kommt. Man darf also gespannt sein…
Als das Riff zu “Regen” beginnt wünsche ich mir kurz, dass die Sprinkleranlage angeht. Dies passiert natürlich nicht, aber der Song schafft es, dass wir alle die Hitze vergessen und noch einmal alles geben. Der alte Onkelz-Flair liegt in diesen Minuten in der Luf und verzaubert die große Freiheit.
Nach der Show und etlichen Kaltgetränken schaue ich noch kurz im Backstage vorbei. Die Band ist sichtlich zufrieden mit ihrer Leistung und Stephan wirkt zunehmend gelöster. Ich möchte nicht wissen, was für seelische Brocken ihm nach und nach von der Seele fallen – stand die Tour doch wirklich unter keinem guten Stern. Wir sind zwar in Hamburg, aber der Dauerpatient macht genau das Richtige in seinem Zustand – er seilt sich ins Hotel ab und tankt Kraft für die nächsten Shows.
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“Sunrise over Reeperbahn” schallt es innerlich durch meinen Kopf, als ich im Morgengrauen aus einer Kiez-Spelunke falle. Die Jungs von SUPERCHARGER
(eine der Vorbands in Frankfurt) liefern mit diesem Song den perfekten Soundtrack für meinen Zustand und für das Geschehene der letzten Stunden.

Ein Großteil der Crew, Dunderbeist und ich versackten noch ziemlich lange in einer einer traditionellen St.Pauli Kneipe, bevor wir uns todesmutig noch in die legendäre Karaokebar an der Ecke der Großen Freiheit stürzten. Dort gab einer der Norweger noch ein „Whitesnake“-Ständchen vom Besten. Ich kann euch nur sagen, die Performance war ganz großes Kino.
Aber kommen wir zum Jetzt und Hier denn Hamburg II steht auf dem Plan. Zu meiner Verwunderung habe ich keinen Kater und setze mir zum Ziel das Konzert in der ersten Reihe zu erleben. Zurück zum Gewohnten. Kurz vor Einlass stoße ich auf die wartenden Meet & Greet Gewinner an einem Seiteneingang der Venue.
Ein Fan fällt dabei besonders auf. Stolz präsentiert er sein Geschenk für Stephan. Ein professioneller Rippenschutzanzug für Mountainbiker auf dem alle wartenden Fans am Einlass bereits unterschrieben hatten. Ich komme aus dem Lachen nicht mehr heraus und stelle mir Stephans verdutztes Gesicht vor. Wie ich später erfahre, musste auch Stephan ziemlich lachen und fand die Idee sehr cool. Generell laufen die Meet & Greets wohl immer ziemlich entspannt ab. Die Band hat Bock auf euch, ihr seid cool drauf. Immer wieder schön, wenn solche intensiven Momente zwischen Band und Fans entstehen. Da erinnern wir uns doch alle gerne dran zurück.

Ich habe derweil mir einen Platz in der ersten Reihe gesichert und DUNDERBEIST steigen um 18.45 auf die Bretter. Die Kerle scheinen halbwegs wieder fit zu sein und liefern wie gewohnt eine professionelle Show ab.
Das Hamburger Publikum scheint mir etwas zurückhaltender heute. Sicherlich sind einige noch erschöpft von der Hamburg I Sause oder wollen sich ihre Kräfte für DER W sparen.
Geschwitzt wird heute nicht ganz so viel wie gestern, aber dennoch gab es einige Highlights der zweiten Show, die ich euch nicht vorenthalten will:

“Ein Lied für meinen Sohn”: Mensch Stephan, was machen wir da nur mit dir? Irgendwie will gerade dieser Song nicht so richtig klappen. Wieder schleicht sich der Fehlerteufel ein und Stephan versingt sich zum xten Mal. Die Menge grölt und Stephan bricht das Lied ab. Kopfschüttelnd mit einem Grinsten über sich selbst steht er vor seinem Mikrophon. “Das darf doch nicht wahr sein, Leute. Immer versaue ich diese Strophe, gerade bei diesem Lied, das mir so viel bedeutet. Und wisst ihr was? Die zwei Jungs hier in der ersten Reihe haben mir letztens sogar ein Schild mit der richtigen Strophe hochgehalten…” erzählt er schmunzelnd.
Die zwei Fans aus der ersten Reihe sind mittlerweile zu richtigen Die-Hard Fans mutiert. Kevin und “Dieta” besuchen auf dieser Tour gleich zwölf Shows und können auch in der Vergangenheit auf eine beachtliche Zahl an W-Konzerten zurückblicken.
Das ist wirklich Hingabe und die Band weiß dies sehr zu schätzen. Irgendwann gebe ich meinen Platz vorne am Gitter auf und schaue mir das Konzert von der Bühne aus an. Micha Mainx gibt mir Kopfhörer und so kann ich verstärkt Stephans Stimme hören. Habe ich schon erwähnt, wie schön ich die Große Freiheit eigentlich finde? Allein die Menschenmassen auf dem Balkon machen das alles schon zu einem ziemlich epischen Bild.

Bei “Nein, nein, nein” klatscht die ganze Halle im Takt mit. Ich kann verstehen, wie der Band bei sowas das Adrenalin durch den Körper jagt. Wirklich sehr geil! Auch “Regen” verwandelt die Große Freiheit in einen brodelnden Hexenkessel. Das donnernde Intro und die künstlich erzeugten Lichtblitze lassen noch einmal Gänsehaut aufkommen und spätestens jetzt, als die ganze Halle wieder die Händen oben hat und das Lied abfeiert ist klar, dass Hamburg II einen anständigen Job gemacht hat.

Nach der Show muss alles ganz schnell gehen.
Die Crew hat nur eine Stunde Zeit für den Abbau. Ich unterhalte mich draußen mit ein paar Fans, die immer noch ein Strahlen auf dem Gesicht haben.
„Toller Abend“, „Wahnsinns-­-Show“, „Was eine coole Band“, all das höre ich vermehrt und kann dem nur zustimmen.
Ich kann mich ebenfalls nur bedanken für die tollen Gigs und die grandiose Stimmung. Diese Kombination hat das Tourtagebuch schreiben wirklich zu einer wahren Freude gemacht.
Sarah Rademacher

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30. Apr

28.04.2013 Neu-Isenburg Gästelisten, Gänsehaut und gute Vibes

Neu-Isenburg ist immer wieder spannend. Jedes Jahr. Einigen wir uns erst mal darauf, dass ich ab jetzt statt Neu-Isenburge Frankfurt schreibe, okay? Ist ja praktisch ein und dasselbe, erklärte man mir. Also – Backspin – Frankfurt ist immer wieder spannend.
Meistens wird es “nur” ganz ok. Nicht, weil im Vorfeld irgendwer keinen Bock auf diese Stadt hat, sondern weil es einfach immer für alle Beteiligten ein intensiver (um nicht zu schreiben: schwierig stressiger) Tag ist, die Anspannung hoch und die Erwartungen immens sind – und zwar oft so gewaltig, dass diese nur schwer erfüllt werden können. Sonntag war es anders. Um nicht direkt allem vorweg zugreifen dennoch schon das Fazit des Abends am Anfang des Berichts: Es war die beste Show der bisherigen Tour. Und das, obwohl der Tag ziemlich genau so anfing wie immer, wenn in Stephans Heimatstadt musiziert wird.

Die Gästeliste… Eine freudige Geschichte. Ich mache das ja alles zum ersten Mal und so wunderte ich mich echt nur noch ein bisschen (weil ich rechtzeitig von Mina, Till und Stefan K. vorgewarnt wurde), dass in Neu-Isenburg alles etwas anders als in den anderen Städten ist. Da will offenbar tatsächlich jeder hin, der Stephan mal irgendwann in seinem Leben das Händchen geschüttelt oder ein Konzert fotografiert hat. Dementsprechend lang war dann auch die Liste, als ich sie tagsüber dem Spandauer maile. Wir sprechen hier von knapp 75 Menschen – die meisten alle noch mit + irgendwas auf der Liste. Familie, Freunde, Gäste von irgendwo her, Eintracht Mitarbeiter.. Er nimmt das alles recht ruhig, auch wenn er sich an diesem Abend nicht nur um die Freunde und Verwandten, sondern auch um die Meet & Greet Gewinner kümmern darf, weil ich mir doch eine ziemlich fiese Erkältung eingefangen habe und so auch den größten Teil des Abends im Produktionsbüro hänge, Tee trinke und darauf hoffe, nicht zu kollabieren. Gut, das hier so gut für einen gesorgt wird.

Hinter den Kulissen wird es hektisch. Einlass um 16.00 Uhr, denn heute stehen ja bekanntermaßen nicht nur DUNDERBEIST und DER W auf der Bühne, sondern noch ein paar andere Bands der ROCK`N`ROLL OVERDOSE. Dementsprechend eng wird es im Backstage, wo immer wieder hektische Befehle durchgegeben werden, während in anderen Räumen herzhaft gelacht wird. Zwischendrin immer wieder… Richtig – der Spandauer. Irgendwann entschied er dann: Stopp mit Backstage. Keiner bekommt hier mehr ein weißes Bändchen und “hinten rein” dürfen nur noch die Crew, Familie und die Künstler. Ganz einfach. So ist er, der Stefan K.  War aber wohl auch die richtige Entscheidung.

Ich schäle mich aus meiner Kammer und schaue mir die Bands an. Vier davon (SUPERCHARGER, 77, THE NEW BLACK und die “V8 WIXXXER”) kannte ich noch gar nicht. Gut, stimmt so ja nicht, die V8 WIXXXER hab ich mal als V8 WANKERS gesehen und fand die damals schon ganz nett. Meine Meinung nach gestern muss jetzt lauten: Immer noch nett, aber auf Deutsch schon fast kultverdächtiger Rock`n`Roll. SUPERCHARGER , THE NEW BLACK und 77 gefallen mir ebenfalls, genauso wie PSYCHOPUNCH, die ich ja liebe. 2005, dreimal dürft ihr raten wo, habe ich die das erste Mal gehört und gesehen und das ist immerhin schon fast acht Jahre her. Die rocken immer noch. Ich meine auch mal gelesen zu haben, dass Stephan die richtig geil findet. Also nicht nur so ein wenig geil, sondern richtig fett. Stimmt, in einem neueren BOSC Fanzine (2003 vielleicht?) waren die PSYCHOPUNCH Jungs eine Plattenempfehlung des Herrn W. So ist der Lauf der Dinge. Jetzt eröffnen sie (wieder) für ihn. Coole Jungs und diese arschgeile Mischung aus Groove und Rock, den die Schweden da abliefern, begeistert mich. Die Hugenottenhalle ist schon bei den Vorbands gut gefüllt und ich habe schon eine leise Vorahnung (eher eine mittelschwere Vision nostradamischer Ausmaße), dass das heute hier richtig abgehen könnte.

Stephan, Dirk, Henning und JC machen sich derweil für das Meet & Greet bereit, von dem ich nichts mitbekomme, bei dem aber auch alles glatt geht, wie mir berichtet wird. Das freut mich und ich spreche mit ein paar Leuten, die schon einige Jahre mit Stephan und dem Rest der Crew unterwegs sind und alle sind bislang der Meinung, dass es fast nicht besser hätte laufen können. Schon gar nicht unter den bekannten Umständen, die ja die ganze Tour im Vorfeld zu einem gewaltig großem roten Fragezeichen gemacht haben. Die Fanmischung ist in Frankfurt gewohntermaßen auch etwas anders als in den anderen Städten. Härtner steht zwischen Hool, Teenie zwischen Familienvater mit Kind. Alles friedlich, logo.

DUNDERBEIST kommen immer besser an, finde ich. Ich mag die Jungs. Sympathisch vor, auf und hinter der Bühne. Ich steh sowieso auf diese fast schon filmischen, durchgestylten Bands mit ordentlich Wumms. Passt einfach gut zusammen.

Stephan ist gut unterwegs, hat – trotz Schmerzen – ordentlich Bock auf die Show. Auch er scheint zu spüren, dass das heute Abend in seiner Heimat nicht “Business as usual” werden könnte, sondern im besten Falle eine zwar schmerzhafte, aber umso intensivere Live-Erfahrung. Und, und das ist vielleicht die größte Überraschung und Freude des Abends, es wurde – wie eingangs schon erwähnt – spektakulär. Ganz oft ist es ja so, dass die eigene Meinung über die Show und deren Protagonisten abschweift und so gar nicht mit der des Künstlers zusammenpasst. Was ja auch logisch ist. Mich kümmert es nicht, ob Stephan sich beim Bespielen seiner Gitarren verzupft oder ob er einen Texthänger hat (die es zwar auch in Frankfurt gab; die aber dieses Mal das Gesamtbild nicht trügen konnten). Für mich zählt mein Erlebnis. Die Band aber ist beeinflusst von ihrer eigenen Leistung und so fallen die Resultate der Akteure manchmal unterschiedlich aus.
Gestern aber nicht. Gestern waren und sind sich alle einig, dass das verdammt noch mal eine fette Show war. Die Band, und das sieht und hört man, groovt sich immer mehr ein und spielen mittlerweile auf höchstem Niveau. Stephan hatte Spaß, bedankte sich, und wenn man genau hinsah, dann sah man da einen Künstler stehen, dessen Sorgen und Ängste vor der Tour mit diesem Abend passé seien dürften. Alles fiel irgendwie von den Jungs ab und wirkte rund.

Und was nach den rund 2,25 Stunden, in denen die Band und die Zuschauer alles gegeben haben was ging blieb, war die Tatsache, dass ab jetzt alles zu gehen scheint. The fucking sky is the limit. Schmerzen? Ja und, wen kümmert es?
Vor der Tour sprach Stephan davon, dass der Unfall, so panne wie der auch gelaufen ist, ihn vor eine echte spirituelle Herausforderung gestellt hat. Sich auf die Schmerzen einlassen und den Kampf annehmen, oder verzweifeln. Gestern Abend wurde – auch wenn es jetzt noch pathetischer wird – der Kampf endgültig gewonnen, würde ich jedenfalls mal behaupten.
Wen wundert es da, dass das Adrenalin auch nach der Show anhielt und Stephan lachen konnte. Er sagte, er hatte echte, fetteste Gänsehaut an dem Abend. Und er war glücklich da oben zu stehen, in eure Gesichter zu gucken und mit seiner Band für euch zu feiern. Im backstage war nach der Show erwartungsgemäß die Hölle los, aber auch hier hatten alle Anwesenden Verständnis dafür, dass es heute schon wieder weiter geht. In Hamburg. Teil eins von der Großen Freiheit.

Hamburg  übernimmt wieder Miss Rademacher. Ab Göttingen lest ihr dann wieder von Till und mir.

The Happy Ending Tour continues…

Dennis

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29. Apr

Achtung, Achtung – Early Show am 30.04. in Hamburg!

Noch einmal eine Erinnerung an alle, die morgen (!) die Show in Hamburg besuchen: Es handelt sich um eine “Early Show”, d.h. alles verschiebt sich nach vorne. Einlass ist bereits um 18.00 Uhr, Dunderbeist fangen um 18.45 Uhr an und DER W entern die Bühne um 19.45 Uhr. Nicht, dass irgendwer erst zur Zugabe aufkreuzt.

Heute geht dagegen alles seinen geregelten Gang.

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28. Apr

27.04.2013 – Würzburg: Rock’n’Roll vs. Morphium

Seit Köln flutscht es mit dem Tourtagebuch. Wir werden jetzt versuchen, Euch jeden Tag (bzw. nach jedem Konzerttag) einen kleinen aber feinen Bericht zu liefern, während die Band weiterhin fröhlich twittern, vinen und instagrammen darf. Sind das die korrekten Verben dafür? Egal. Ihr habt es schmerzlich vermisst – hier habt hier es wieder – The Tourtagebuch. Heute mit Würzburg von gestern und einem sehr schönen Bericht von Sarah Rademacher, Freundin des Hauses und Chefin der Support Webseite “Mindfuck Society”. Danke, Sarah! Später gegebenenfalls mehr von uns.

“Haste nicht Bock über den Gig was zu schreiben?”
Die Bitte kann ich Stephan nicht abschlagen, also lasse ich für euch das Konzert in Würzburg Revue passieren.
Nachdem ihr die letzten Konzerte so euphorisch im Blog, bei Facebook, Twitter oder im Forum abgefeiert habt, bin ich ziemlich neugierig was mich in der alten Posthalle
in Würzburg erwartet. Das Wetter ist schon mal nicht auf unserer Seite, als ich gegen 18:30 Uhr zum Einlass komme. Um die 200 W-Dianer harren bereits bei fiesem
Regenwetter vor den Schleusen aus und wollen eigentlich nur eines: Endlich rein in die warme Stube!
Vor die Bühne, an den Bierstand oder zum Merchandise – egal – Hauptsache rein. Und das gilt auch für mich!
Eigentlich bin ich ein “Erste-Reihe-Steher” der ersten Stunde, denn ich bin der Meinung, dass man nirgendwo sonst in der Halle das Konzert so intensiv wahrnimmt
wie dort. Einige werden jetzt sicherlich denken: “Ja klar, lass die Alte reden. Plattgedrückt am Gitter ist bestimmt sehr intensiv..” aber für mich gibt es nichts Magischeres als das Geschehen mit direktem Blick auf die Musiker und die Bühne aufzunehmen. Wie sagt Stephan immer so schön? Für ihn gibt es nichts Schöneres als unsere Emotionen direkt in unseren Gesichtern zu sehen. Ja, verdammt mir geht es genauso – nur umgekehrt.

Heute breche ich jedoch diese von mir selbstauferlegte Regel und entscheide mich für die “Überall-mal-stehen-und-glotzen”-Variante.
Den ersten Test dafür liefern mir sechs bärtige Männer aus Norwegen. Dunderbeist sind seit Köln als Support-Act mit an Bord.
W-Drummer JC ist vollends begeistert von den Nordmännern und ich muss ihm beipflichten. Die Jungs wissen die Menge zu begeistern und lassen die Heavy-
Metal-Spiele beginnen: Dutzende Köpfe bangen im Takt, verstärkt wird dies mit dem obligatorischen Metal-Gruß in der Luft. Das gefällt nicht nur den Norwegern sondern
auch den Würzburgern. Diese honorieren das Set mit anständigem Applaus.

Jetzt wird es jedoch Zeit für DER W.
Hat Dr.Rock unseren Dauerpatienten für eine fette Rock’n'Roll-Sause wiederhergestellt? Die Frage muss nicht beantwortet werden, denn sofort beim Opener “Operation Transformation” ist klar, wer hier heute Abend
die Halle regiert. Stephan ist zurück! Das Adrenalin wirkt und verdrängt die Schmerzen. Ich kann in den hinteren Reihen nicht mehr an mich halten und suche mir einen neuen Platz. Näher ran heißt die Devise. Mehr Emotionen aufnehmen!
“Kampf den Kopien” ist fürs erste aus der Setliste geflogen und macht den Weg frei für “Lektion in Wermut”. Schon auf Platte ist das Lied einer meiner persönlichen Favoriten, doch live knallt der Song doppelt.
Das Lied entwickelt sich zur straighten Up-Tempo-Nummer und ich kann beim besten Willen keinen angeschlagenen Stephan auf der Bühne erkennen. Die drei gebrochenen Rippen können den Adrenalin-Kick nicht stoppen.
Ein weiteres Highlight ist die neu auferlegte Choreographie zu “Mordballaden”.
Stephan teilt die Halle kurzerhand in zwei Hälften auf. Während die eine Seite den epischen Background-Part von JC übernimmt, stimmt die andere Hälfte mit Stephan die Refrain-Zeilen an. Die Posthalle wird für einen kurzen Moment zum Stadion und
ein Hauch Gänsehaut liegt in der Luft.
Stephan erzählt, dass dies die erste alkoholfreie Tour für ihn ist und bekommt prompt ein paar Mitleidsbekundungen aus dem Publikum. Schuld daran ist Dr.Rock, der ordentlich Morphium dosiert. Der Stimmung tut es keinen Abbruch, es wird
weitergefeiert in der alten Posthalle. Beendet wird der Rock’n'Roll Abend mit “Regen” und zum ersten Mal höre ich keine verstärkten “Onkelz” oder “Mexico”-Rufe im Publikum. Irgendwie schön und hoffentlich hält dies noch auf den nächsten
Konzerten an. Die Band verabschiedet sich von den feierwütigen Würzburgern und die Crew beginnt sofort mit dem Abbau. Schließlich steht als nächstes das Heimspiel in Neu-Isenburg an.
Ich verabschiede mich von der Band und mache mich ebenfalls auf die Reise durch die Nacht.
Danke Würzburg für den schönen Abend, das war wirklich klasse!

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27. Apr

DUNDERBEIST Interview mit Torgrim Torve

Die Tour rollt ja bekanntermaßen und während in Würzburg schon alles für den heutigen Abend vorbereitet wird, stellen wir euch heute mal DUNDERBEIST näher vor.
Die Jungs sind ja seit Köln dabei und ihre erste Show haben sie schon ziemlich erfolgreich hinter sich gebracht. Das sympatische, norwegische Six-Pack ist auf jeden Fall ziemlich gut drauf und wir hoffen, dass sie euch gefallen.

Das Interview haben wir mit Torgrim Torve geführt. Viel Spaß.

Zuallererst: Erzähl uns mal was über DUNDERBEIST. Also quasi all das hochinteressante Zeug über die ersten Band Jahre, über die Band Mitglieder und die Instrumente, die sie spielen, usw.

Torgrim: Zunächst möchten wir uns für die verdammt geile Möglichkeit bedanken, für DER W zu eröffnen und wollen Stephans Publikum natürlich eine intensive Zeit zu bescheren. Wir werden diese 45 Minuten nutzen, um sie mit so viel Dunderbeist-Chaos, Nahrung für`s Hirn und Hörvergnügen zu füllen, wie es nur geht. Das wird verdammt fett. Und natürlich gilt es auch herauszufinden, welche alkoholischen Getränke die Jungs von DER W so bevorzugen – da sind wir schon sehr gespannt drauf.

DUNDERBEIST sind sechs aus den düsteren Wäldern Norwegens stammende Jungs, mit einer ausgeprägten Vorliebe für das genussvolle Zelebrieren des kreativen Prozesses, der beim Musik machen stattfindet und seinen Höhepunkt darin findet, dieses Zeug dann live zu spielen. Das ist so ziemlich das Großartigste, was es im Leben gibt. Besser geht es nicht.

Mein Name ist Torgrim Torve – einer von zwei Jungs, deren Hauptaufgabe darin besteht, ihre Kehlen zu benutzen. Heißt: Ich singe.
Andere Verantwortungsbereiche in unserer Dunderbeist-Demokratie beinhalten meinerseits alles, was im weitesten Sinne mit dem Erstellen der Artworks, den Liedtexten und der Verwaltung von organisatorischem Krempel zu tun hat. Außerdem habe ich das schlechteste Kurzzeitgedächtnis der sechs Jungs. Nuff said.

Das klingt ja schon mal ziemlich locker. Was ist denn für euch wichtiger/spannender/schöner? Das Studio- oder das Tourleben?

Torgrim: Schwierig. Das ist, als müssen man sich zwischen seinen Kindern entscheiden, welches einem das Liebste ist. Das sind zwei vollkommen verschiedene Aspekte des Bandlebens, die beide mal super interessant und dann wieder todlangweilig sein können. Gerade dann, wenn wir mit den Aufnahmen zu einem neuen Album fertig sind, fühlt sich die erste Fahrt “on the Road” nach totaler Freiheit an. Dann, wenn man nach einer langen und intensiven Tour nach Hause kommt, fühlt sich das vertraute Studio – dieser kleine Mikrokosmos – so unendlich frei an. Nicht mehr unterwegs und weit weg von all den dummen Menschen, die es da draußen gibt. Aber ganz egal, nichts von dem lässt sich nur ansatzweise mit irgendwas vergleichen – vielleicht abgesehen von zwei Ausnahmen: Liebe machen mit einem Menschen, den man liebt und mit deinem Kind abhängen, mit ihm lachen und sich gemeinsam über Furz-Geräusche amüsieren.

Gerade gestern habe ich ein interessantes Review eures “Songs Of The Buried” Albums gelesen. Darin heißt es, dass einige Stücke auch aus einem Quentin Tarantino Film sein könnten. Siehst Du das ähnlich? Ist ja jetzt nicht unbedingt das Schlechteste mit diesem Mann assoziiert zu werden, oder?

Torgrim: Ich wette, dass einige unserer Songs großartig als Soundtrack funktionieren würden. Ob für einen Tarantino-Streifen oder für jemand anderen. Wenn wir Musik machen, dann ist unsere Art und Weise den Leuten unsere Idee und unser Gefühl von unserem Sound zu vermitteln durchsetzt mit einer gewissen filmischen Atmosphäre. Das kommt schon hin, ja. Wir sind schon eher eine “visuelle Band”, auf jeden Fall.

Gibt es Bands, die Euch direkt und bewusst beeinflusst haben?

Torgrim: Ja, manche schon. Mal mehr mal weniger. Am meisten inspiriert haben uns Bands und Künstler wie Faith no More, Meshuggah, Tool, The Dillinger Escape plan, Cult of Luna und Motorspycho. Natürlich noch einige mehr, das waren aber so die Wichtigsten.

Stephan Weidner war ja nun vor DER W 25 Jahre lang der Bandleader der Böhsen Onkelz. War dieser Bandname ein Begriff für Euch?

Torgrim: Ich persönlich kannte den Bandnamen und hab einige sehr merkwürdige Sachen über die Onkelz gehört. Aber ganz ehrlich: Wie sie klingen und / oder was sie getan haben, davon hatte ich keine Ahnung.

Was sind Eure Erwartungen, für DER W zu eröffnen?

Torgrim: Naja, zunächst einmal haben wir die Möglichkeit, unser Zeug einem Haufen neuer Leute vorzustellen, was ja an sich schon mal ziemlich großartig ist. Und eigentlich kann es nur eine verdammt gute Zeit werden mit einem Haufen hoch professioneller Leute, die viele Jahre Tourerfahrung haben, mit allen Höhen und Tiefen die dazu gehören und man sicher einiges zu erzählen hat.

Spielt ihr denn das erste Mal in Deutschland?

Torgrim: Nein, wir waren schon ein paar Mal in Deutschland und es ist definitiv ein gutes Land mit einem guten Geschmack für Musik, die dafür geschaffen wurde, laut gespielt zu werden. Hamburg ist definitiv nah am Duberbeist-Herzen, soviel kann man auf jeden Fall schon mal sagen.

Wenn man sich mal die Promotion anschaut, die wir hier bei 3R für DER W machen, dann fällt auf, dass sie darauf fokussiert ist, im Netz für Unruhe zu sorgen. Fast alles, was im Blog seht, findet auch direkt den Weg in die sozialen Netzwerke. Praktisch nur die direkteste Form der Kommunikation. Macht ihr das ähnlich?

Torgrim: Ja, das denken wir schon – allerdings benötigen wir auch Leute im Team, deren Fähigkeiten sich von unseren unterscheiden. Die sozialen Netzwerke erlauben es, ganz nah am Fan zu sein und mit dem einzelnen Fan zu interagieren. Großartig. Zudem sind die Netzwerke natürlich kostenlose Informationsquellen, damit wir uns nach neuer Musik umschauen können. Gleichzeitig ist es uns aber auch wichtig, mit Leuten auf unserem Label zu arbeiten, denen wir vertrauen, die das Beste für uns wollen und die vor allem Fans guter Musik sind, genauso wie wir. Der wichtigste Teil des Ganzen sind die Leute in diesem Business. Man muss die Guten finden, Bier mit ihnen trinken und so mit ihnen umgehen, wie sie mit dir umgehen, dann passt das auch alles.

Dann möchte ich mich für dieses sehr nette Interview bedanken. Die letzten Worte gehören Dir:

Torgrim: Ein Dank an Stephan und die Band für diese Gelegenheit. Wir versprechen, dass wir dich cool aussehen lassen, auch wenn wir echt übertrieben geil sind ;-)
Die W Fans werden nicht enttäuscht werden. Wir glauben, dass der Teufel sich im Detail versteckt und je näher ihr dran seid, desto eher seht ihr ihn vielleicht tanzen, während wir auf der Bühne stehen und für euch spielen.
Danke an alle und bis bald,
Torgrim Torve

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